Als Reiseziel ins Licht hat die Provence Tradition. Van Gogh mietete sich an einem lausig kalten Februartag 1888 in Arles ein und packte gleich am nächsten Morgen im Mistral bibbernd die Staffel aus, »um ein anderes Licht zu sehen«. Er fand es über den Sonnenblumenfeldern des Rhône-Tals, so wie Cézanne an der Montagne Ste-Victoire oder Picasso in den Hügeln von Mougins: Tintenblau bricht für Cézanne der Morgen am blitzblanken Himmel an, Nachmittage färben Picassos Bilder ockergelb und altrosa, van Goghs Abende kommen blutrot über die Rhône daher. Allen drei schien der Himmel über der Provence grenzenlos. Am Boden bilden dagegen Mittelmeerküste und Alpen halbwegs klare Grenzen. Bei den ersten Pinien kurz vor Orange oder der engen Pforte des Durance-Tals in Sisteron weiß man: Hier beginnt bei aller Gegensätzlichkeit die Provence. Sie vereint so unterschiedliche Landschaften wie das Hochgebirgspanorama des Queyras, die antike Kulturlandschaft von Vaison-la-Romaine bis St-Rémy-de-Provence, flache Reisfelder der Camargue oder spektakuläre Canyons wie die Gorges du Verdon. Kurzum, die Provence ist eine Landschaft der Gegensätze.